Zum 70.Geburtstag von Filmemacher Peter Schubert widmete das Ulmer Stadthaus zwei lange Abende mit einer Auswahl seiner besten Filme u.a. auch zu Gast Schauspielerin Ilona Grübel

Der Ulmer Filmemacher Peter Schubert feierte am 21.Juli 2009 seinen 70.Geburtstag und das Stadthaus widmet ihm zwei lange Abende mit einer Auswahl seiner besten Dokumentarfilmen.
Am Freitag den 24.07.2009 wurden schon einige seiner Filme gezeigt. Am darauf folgenden Freitag den 31.07.2009 wurden alle sechs Folgen der Fernsehserie „Familie Mack verändert sich“ gezeigt.

Zu diesem Abend waren nicht nur Filmemacher Peter Schubert gekommen, sondern auch Schauspielerin Ilona Grübel, die damals die Tochter Doris Mack spielte und gerade mal 18 Jahre jung war und Julian Aicher, der damals den zehnjährigen Sohn spielte.

Inhalt: "Familie Mack verändert sich"
In der sozialkritisch engagierten 68er Zeit entstanden, griff „Familie Mack“ bewusst das Muster der im Fernsehen populären Familienserien auf und füllte sie mit kritischem Inhalt.
Die in Ulm gedrehte Serie zeigt, wie eine Familie, deren Vater straffällig wurde, nach dessen Verurteilung in Sippenhaft genommen wurde.

Die Silberhochzeit von Oberamtmann Robert Mack und seiner Frau wird unsanft gestört. Für die Fertigstellung des gemeinsamen Einfamilienhauses hat sich Robert Mack in finanzielle Schwierigkeiten gebracht und Gelder im Amt unterschlagen. Kurz darauf wird er aus dem Staatsdienst entfernt und zu einer Haftstrafe von 1,5 Jahren verurteilt.
Seine Frau muss sich nun erst einmal alleine um sich und ihre drei Kinder kümmern - und die Familie bricht langsam aber sicher auseinander.

Frau Mack zog mit den beiden Kindern Doris und Klaus (der 3.Sohn geht seinen eigenen Weg und macht das Gammeln zum Lebensziel) gemeinsam von Baden-Baden nach Ulm, um dem Gerede aus dem Weg zu gehen. Der 3.Sohn Thomas geht seinen eigenen Weg und macht das Gammeln zum Lebensziel, womit er immer wieder in der Familie aneckt.
Bald darauf arbeitet Frau Mack wieder als Verkäuferin und Doris Mack heiratet in der 4.Folge kurzer Hand ihren Chef.
Alle versuchen auf ihre Art und Weise mit dieser Situation zurechtzukommen, dass ihr Vater in Haft ist und sie auf sich alleine gestellt sind.
Drehbuch und Dialoge wurden improvisiert. Etwa eintausend Ulmer spielten sich selbst. In den Hauptrollen die Profis Margot Trooger, Wolfgang Preiß und Ilona Grübel sowie der damals zehnjährige Julian Aicher.
Der damalige Bundesjustizminister und spätere Bundespräsident Heinemann nahm im Anschluss an jede einzelne Folgen jeweils zu den aufgezeigten Problemen und Auswirkungen des Strafvollzugs Stellung.
Die Serie wurde 1969 vom ZDF ausgestrahlt und erhielt den Adolf Grimme-Preis.

Ulm´s Oberbürgermeister Ivo Gönner eröffnete den Abend mit einer kurzen Rede. In seiner Jackentasche hatte er ein Geschenk für Peter Schubert. Das schenke er immer wieder Menschen die in Ruhestand gehen, um beschäftigt zu sein. Ein Ulmer Jo-Jo bekam Peter Schubert, der es freudig entgegen nahm.
Während den einzelnen Folgen (eine ging ca.25 Minuten) wurde eine kleine Pause gemacht.
Während den Pausen nutzte ich die Zeit um Ilona Grübel und Julian Aicher einige Fragen zu stellen.
Tanja: Frau Grübel, wie ist das für Sie, wenn Sie diese Serie nach 40 Jahren wieder ansehen?
Ilona Grübel:
„Ich erinnere mich gar nicht mehr an die Handlung.
Ich schaue mir diese Serie das erste Mal nach 40 Jahren subjektiv an. Das ist sehr, sehr spannend für mich und ein Zeitdokument.
Die Serie ist für mich sehr komplex und sehr persönlich. Hier wird eine Realität gezeigt, die ein enorm beklemmendes Gefühl auslöst. Da muss ich erstmal ein paar Nächte darüber schlafen.“
Tanja: Gibt es irgendetwas was Ihnen am meisten auffällt/besonders gefällt?
Ilona Grübel: „Am meisten fällt mir auf, wie ähnlich meine Tochter heute und ich damals uns ähnlich sehen und vor allem auch sind (lacht dabei).
Tanja: Vielen Dank.

Tanja: Herr Aicher, wie ist das für Sie, wenn Sie diese Serie nach 40 Jahren wieder ansehen?
Julian Aicher:
  Man sagte mir, dass ich ein gar nicht so schlechter Schauspieler gewesen wäre (Tanja: Das kann ich nur bestätigen). Zu sehen wie man sich verändert hat ist sehr spannend.
An der Rolle hat mir besonders die Lebendigkeit des Jungen gefallen. Damals habe ich als Kind noch mehr Gefühle gezeigt - in den 40 Jahren ist das ein wenig abtrainiert worden (berufsbedingt).
Toll, wie sich Ulm in den 40 Jahren verändert hat und sehr viele gute Leute haben mitgewirkt. Einige sind ja leider schon verstorben, so wie Wolfgang Preiß (Herr Mack).
Tanja: Vielen Dank.


Nach den 6 Folgen war im Anschluss noch Zeit fragen zu stellen und Peter Schubert, Ilona Grübel und Julian Aicher erzählten uns von ihren Eindrücken, da alle diese Serie erstmals nach 40 Jahren wieder gesehen haben. Ilona Grübel war damals 18 Jahre und Julian Aicher gerade mal zehn.
Peter Schubert war sichtlich überrascht das trotz des guten Wetters so viele in das Stadthaus kamen und bis zum Schluss  blieben (der Saal war fast voll). Er ist froh, dass damals so gute Schauspieler und Laien mitgewirkt haben- da er damals mit 30 noch nicht die Erfahrung hatte, die er heute hat. Er wusste, dass er die Serie nur in Ulm drehen möchte und dies mit großem Erfolg.
Peter Schubert bedankte sich, dass wir alle seinen 70.Geburtstga hier in Ulm gefeiert haben.

Gegen 22.30 Uhr war der lange, interessante und spannende Abend zu Ende und jeder ging mit seinen eigenen Gedanken nach Hause. Der sozialkritische Hintergrund dieser Serie ist heute noch aktuell und einige Ansichten wie früher spielen auch heute noch eine Rolle in den Familien (z.B. die Frau soll zu  Hause bleiben…).

Ich würde es sehr begrüßen, wenn diese Serie wieder einmal im Fernsehen gezeigt wird. Gerade wegen diesem sozialkritischen Hintergrund der aufgezeigt wurde und auch in unserer heutigen Zeit noch an vielen Stellen eine Rolle spielt. Zum anderen ist es eine sehr gute Serie mit sehr vielen lustigen Stellen - eine rundum sehenswerte Serie, die es in meinen Augen verdient hat, wieder einmal ausgestrahlt zu werden.

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei Peter Schubert, Julian Aicher und Ilona Grübel für die netten Gespräche bedanken.

Ihnen Frau Grübel nochmals meinen herzlichen Dank für diese Einladung- es war ein sehr spannender und viel versprechender Abend für mich. Ich habe so manchen Gedankenanstoß mit nach Hause genommen.

Meinen Dank geht auch an die Veranstalter und die Verantwortlichen, die mich herzlich im Stadthaus begrüßt haben und mir bei meinen Fragen zur Seite standen.

 

 

 

 

 

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