Der Mythos – des Klausjürgen Wussow

Klausjürgen Wussow, 2005 am Heimatmuseum Hüsli

Was versteht man eigentlich unter einem „Mythos?"
Darf man den Worten von Wikepedia glauben, dann wird als Mythos oft das Handeln und Wirken von Göttern in Anlehnung an menschliche Verhältnisse dargestellt. Dies ist die Vorstellung des Sigmund Freud als eine mögliche Sichtweise.

Klausjürgen Wussow, nun seien wir doch einmal ehrlich, als Professor Brinkmann der Schwarzwaldklinik kam er dieser, zugleich unserer Vorstellung doch sehr nahe. Es war seine Traumrolle und wir haben ihn ohne weitere Bedenken auf den Thron der Götter gehoben. Und er durfte dort solange verweilen, bis es uns nicht mehr wirklich gefiel. Bis die Scheidung von seiner dritten Frau Yvonne zur ausgiebigen Schlamschlacht der Presse wurde. Bis seine vierte Ehefrau plötzlich da war und das Drama unwillkürlich seinen weiteren Verlauf nahm. Ein wenig ließen wir uns dann wieder gütlich stimmen, als nach jahrelangem Schweigen endlich die Versöhnung mit den Kindern Barbara und Alexander erfolgte.

Und jetzt ist er seit über einem Jahr verstorben und was wissen wir wirklich über ihn ??????
Was wissen wir eigentlich über ihn als Mensch, über seine Schaffenszeit am Wiener Burgtheater, über die vielen Filme, in denen er bereits mitgespielt hat, bevor der Erfolg der Schwarzwaldklinik ihn fast über Nacht ereilte. Und er aus dieser Rolle dann irgendwie nie mehr einen Ausweg fand.
Gewiss, es gibt schon einige wenige Menschen, die Klausjürgen sehr gut gekannt haben. Die sicherlich einen Einblick in seine Seele bekommen haben. Natürlich gut, das davon nichts an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Dann was hätten wir daraus wieder konstruiert ? Wir hätten ihn für die  guten Dinge geliebt und für alles andere ????
Das hätte die Vorstellung des Mythos empfindlich gestört und überhaupt, warum sollte er denn menschliche Züge gehabt haben ? Das passte doch überhaupt nicht in unser Bild. Fatal an dieser ganzen Geschichte war nur, das Klausjürgen nach seinen eigenen Worten die Menschen geliebt hat und vertraut hat. So toll dieser Charakterzug auch sein mag, vielleicht war dies einer seiner größten Fehler. Er hat seinem Publikum vertraut, er hat den Frauen vertraut, mit denen er verheiratet war. Und irgendwie ist ihm trotzdem oder gerade deshalb alles aus dem Ruder gelaufen. Hat sein Leben eine Wendung genommen, die er sich selbst vielleicht am wenigstens hätte jemals vorstellen können. Und auch heute noch ist sein Name immer wieder für eine Schlagzeile gut. Sehr häufig zum Leidwesen seiner vier Kinder. Die schon oft genug unfreiwillig in die Situation gekommen sind, durch eine öffentliche Gegendarstellung die Dinge wieder ins rechte Licht rücken zu müssen.

Klausjürgen Wussow, dem die Liebe des Publikums ungeheuer wichtig wahr. Seine Worte: „ Alles ist nichts ohne die Liebe des Publikums.“ Wie wahr, wie wahr. Das Publikum, so schnell es applaudiert, so schnell kann dieser Applaus auch zu Ende sein. Denn das Publikum verzeiht nicht. Es will Mythen haben. Götter, die eine Anlehung an menschliche Verhaltensweisen zeigen. Aber eben nur eine Anlehnung. Wehe dem, der dann wirklich Mensch ist. Der menschliche Stärken, aber eben auch Schwächen zeigt. Für die Presse natürlich immer gut, aber in Wahrheit schon längst von uns abgeschrieben.

Der Mythos – des Klausjürgen Wussow, er wurde von uns dazu gemacht. Über den eigentlichen Menschen wollten wir einfach nicht wirklich etwas wissen. Denn Götter sind eben nur den Menschen angelehnt. So wollten wir ihn sehen, so haben wir ihn gesehen. Und so wird es immer bleiben.

Ich, der Verfasser dieses Artikels, habe ihn nicht auf diesen Thron gehoben. Und würde viel darum geben, zu wissen, wer der Mensch Klausjürgen Wussow wirklich war. Einiges kann ich mir denken, aber eben nicht alles.  


(Autor: Petra Brodde)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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