Hans Hammerschmid - Komponist der ZDF-Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“

Was verbindet Hildegard Knef, Curd Jürgens und „Die Schwarzwaldklinik“? – Nein, Hildegard Knef und Curd Jürgens haben nie in der Serie mitgewirkt.Jürgens stirbt bereits 1982, das heißt zwei Jahre vor den ersten Dreharbeiten. – Ja, alle haben berühmte Musik aus einer Feder: vom Komponisten Hans Hammerschmid.
Biografie1
Hans Hammerschmid (Pseudonym: Henry Stuck) kommt am 12. März 1930 in Wien zur Welt. Seine Schullaufbahn schließt er in der österreichischen Bundeshauptsstadt erfolgreich mit der Matura ab. Er studiert an der Musikakademie seiner Geburtsstadt Klavier, Komposition und Dirigieren. 1947 verleiht man ihm den Mozart-Preis. Seinen Beruf als Pianist, Komponist und Dirigent erlernt er außerdem bei Hollywood-Filmproduktionen in Los Angeles.

Im Laufe seiner Karriere als Klavier- und Tonkünstler arbeitet er u. a. zusammen mit österreichischen und US-amerikanischen Jazzmusikern. Teamarbeit entsteht mit dem Kappelmeister und Komponisten Johannes Fehring, dem Saxophonisten Stan Getz, dem Saxophonisten und Komponisten Hans Koller, der Sängerin Helen Merrill, dem Trompeter, Arrangeur und Bandleader Eddie Sauter, dem Saxophonisten Zoot Sims und dem Gitarristen Attila Zoller. Er spielt in Big Bands wie unter Sauter im Tanzorchester des Südwestfunks Baden-Baden.

1952 komponiert Hans Hammerschmid erstmals Filmmusik für einen Streifen mit Bob Hope der US-amerikanischen Produktionsfirma Paramount Pictures. In den 1950-er und 1960-er Jahren verfasst er erstmalig Musikstücke für Fernseh-, Musical- und Theaterproduktionen, darunter für Shows des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF).

In den 1960-er und 1970-er Jahren kreiert er das erste Mal die Musik für zahlreiche Kinofilme in der Bundesrepublik Deutschland, z. B. für Kriminalfilme wie „Funkstreife XY – ich pfeif’ auf mein Leben“ (mit Günther Stoll, Koproduktion mit Österreich, Uraufführung: 1969), für Abenteuerfilme wie „Ein Käfer geht aufs Ganze“ (mit Rudolf Zehetgruber, Musik mit Roman Kwiatkowski, Koproduktion mit der Schweiz, 1971) und für Dramafilme wie „Die Reise nach Wien“ (mit Elke Sommer, Hannelore Elsner und Mario Adorf, 1973).

Darüber hinaus arbeitet er mit dem Sänger Udo Jürgens zusammen. Als dieser 1966 mit dem Lied „Merci Chérie“ in Luxemburg den ersten Platz für Österreich beim Eurovision Song Contest belegt und den Grand Prix gewinnt, ist Hans Hammerschmid der Dirigent. 1969 entsteht das Lied „He’s got the whole world“ unter gemeinsamer Komposition.
Zudem kommt es angesichts einer ZDF-Show und aufgrund der Schallplattenfirma TELDEC zur erfolgreichen Zusammenarbeit mit Hildegard Knef.

Hans Hammerschmid verfasst die Musik zu ihren bekanntesten Liedern wie „Von nun an ging’s bergab“ (Erstveröffentlichung: 1967), „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ (1968, ihr Markenzeichen), „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ (1970) und „17 Millimeter fehlten mir zum Glück“ (1974). Die drei letzteren Lieder zählen zu seinen Lieblingswerken als Komponist.
Ein Erfolg wird auch die Gemeinschaftsproduktion mit Curd Jürgens, der im Sprechgesang das von Miriam Frances getextete Lied „Sechzig Jahre, und kein bißchen weise“ (1975) interpretiert. Die Noten stammen von Hans Hammerschmid.

Er vertont außerdem einzelne Folgen von deutschen Krimifernsehserien und -reihen wie „Das Kriminalmuseum [erzählt]“ (mit diversen Hauptdarstellern, ZDF, Erstausstrahlung: 1963), „Pater Brown“ (mit Josef Meinrad, ARD, 1966), „Der Kommissar“ (mit Erik Ode, ZDF, 1969), „Derrick“ (mit Horst Tappert, ZDF, 1974) und „Der Alte“ (u. a. mit Siegfried Lowitz und Rolf Schimpf, ZDF, 1977).
Im Jahr 1984 steht er als Orchesterleiter in der Carnegie Hall in New York-Manhattan auf der Bühne.

Als 1984/ 1985 die Dreharbeiten zur ersten Staffel der ZDF-Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“ mit Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm und Sascha Hehn (Gesamtleitung: Wolfgang Rademann; Produktionsfirma: POLYPHON im Auftrag von ZDF/ ORF) beginnen, ist man auf der Suche nach einem geeigneten Komponisten für die Serie. Das ZDF sieht ursprünglich Martin Böttcher, Komponist der Karl-May-Filme, vor, der bereits eine Titelmusik entwirft. Jedoch scheitert die Zusammenarbeit an unterschiedlichen Gagenvorstellungen, die verfasste Musik wird sonderbarerweise 1989 die Titelmusik der ZDF-Fernsehserie „Forsthaus Falkenau“.2 Dafür erhält Hans Hammerschmid den Zuschlag und wird alle drei Staffeln der erfolgreichen deutschen Arzt-, Familien- und Krankenhausserie vertonen. Als er den Auftrag erhält, komponiert er 1985 die legendäre, zwei Minuten und 33 Sekunden lange sowie im Original vom Orchester Hans Hammerschmid gespielte „Schwarzwaldklinik“-Titelmusik namens „Hallo – Dr. B.!“ (GEMA-Werk-Nr.: 1856235-001; Original-Verleger: Hanseatic Musikverlag & Co. KG, Hamburg), die im Vor- und Abspann jeder Folge nie ganz zu hören war. Denn „Hallo – Dr. B.!“ wird von einem Techniker schlecht auf Film überspielt, sodass in der Serie skurrilerweise die ersten Sekunden mit Fanfarenmusik fehlen. Außerdem verfasst er mit Freude Tausende von Seiten Szenenmusik für „Die Schwarzwaldklinik“. 1985 wird erstmals eine LP mit Musik aus der Serie veröffentlicht. Für die Langfolge „Die Reise nach Amerika“ (Erstausstrahlung: 15. Oktober 1987) in Spielfilmlänge, Pilotfilm der zweiten Staffel, vertont er das drei Minuten und 19 Sekunden lange Lied „California Dream“ (GEMA-Werk-Nr.: 2117516-001; Original-Verleger: Hanseatic Musikverlag & Co. KG, Hamburg), getextet von James C. Dawson und Evelyn Glover. Gesungen wird es von James C. Dawson alias Jim Dawson, der auch in der Folge als Interpret des Songs zu sehen ist. „California Dream“, das in der Serie für die kalifornische Affäre zwischen Prof. Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) und Maria Rotenburg (Hannelore Elsner) steht, erscheint 1987 als Single.

Neben der „Schwarzwaldklinik“ komponiert er zahlreiche deutsche Fernsehserien wie „Die Insel“ (8-teilige Abenteuerserie mit Christian Kohlund, ARD, Erstausstrahlung: 1987), „Hotel Paradies“ (26-teilige Familienserie mit Grit Boettcher und Klaus Wildbolz, ZDF, 1990), „Insel der Träume“ (21-teilige Fantasyserie mit Rolf Henninger und Andrea Heuer, ZDF, 1991), „Die Hütte am See“ (8-teilige Familienserie mit Pierre Brice, ZDF, 1992), „Der Patenonkel“ (8-teilige Familienserie mit Klausjürgen Wussow, ZDF, 1992), „Donauprinzessin“ (12-teilige Familienserie mit Gaby Dohm, ZDF, 1993) und „Die Geliebte“ (20-teilige Unterhaltungsserie, ZDF, 1996). Des Weiteren ist er für die Musik für einzelne Episoden der ZDF-Fernsehreihe „Weißblaue Geschichten“ (Unterhaltungsreihe, Erstausstrahlung: 1984), der ZDF-Fernsehreihe „Das Traumschiff“ (Unterhaltungsreihe, 1981) und des ZDF-Dreiteilers „Flucht ins Paradies“ (1995) verantwortlich.

2001 vertont er den ZDF-Fernsehfilm „Der Held an meiner Seite“ mit Suzanne von Borsody und August Zirner (Buch: Ulrich del Mestre, Regie: Peter Deutsch).
Für die Serienspecials „Die Schwarzwaldklinik – Die nächste Generation“ (Erstausstrahlung: 20. Februar 2005) und „Die Schwarzwaldklinik – Neue Zeiten“ (04. Dezember 2005) engagiert man für die Musik der Episoden den Komponisten Hans Günter Wagener, die Titelmusik „Hallo – Dr. B.!“ im Vorspann bleibt im Original die von Hans Hammerschmid.  
2005 wirkt er in der ARD-Doku „Legenden. Hildegard Knef“ mit. 2008 wird er für 50-jährige Mitgliedschaft in der GEMA geehrt.
Hans Hammerschmid wohnt in einer Gemeinde in der Nähe von München.
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1)   Vgl. Biografie von Hans Hammerschmid; im Internet unter: www.brillant-musik.de/blisscds/BRA10012cd.htm (Lesedatum: 23.12.08) / Hans Hammerschmid im Internet Media Database; im Internet unter: www.imdb.de/name/nm0358554 (Lesedatum: 23.12.08) / Hans Hammerschmid in der Eurovision Song Contest History; im Internet unter: www.esc-history.com/details.asp?key=175 (Lesedatum: 01.01.09) / Hans Hammerschmid in der Online-Datenbank – Musikalische Werke der GEMA; im Internet unter: mgonline.gema.de/werke/ (Lesedatum: 23.12.08) / Homepage der GEMA; im Internet unter: www.gema.de/ Internet Media Database; im Internet unter: www.imdb.de/ Serienlexikon von kabeleins.de; im Internet unter: www. www.kabeleins.de/serien_shows/serienlexikon sowie unveröffentlichtes Interview von Markus Munk mit Hans Hammerschmid per Brief im Dezember 2008.
2)   Vgl. Interview des Forsthaus Falkenau Fanclubs mit Komponist Martin Böttcher vom 02.05.04; www.forsthaus-falkenau-fanclub.de/interview/boettcher_martin.htm (Lesedatum: 23.12.08)

Text: Copyright © 2009 by Markus Munk. Alle Rechte vorbehalten.

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