Im Rahmen der „Gläsernen Redaktion“ der Stuttgarter Nachrichten (StN) kamen vom 22. bis einschließlich 25. April 2009 zahlreiche Prominente ins Buchhaus Wittwer, Königstraße 30. Neben einem offenen Redaktionsbüro war im Erdgeschoss eine kleine Bühne aufgebaut. Dort interviewten Redaktionsmitglieder der StN täglich bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug, Olympiasieger Dieter Baumann und Moderator Ulrich Kienzle. Am Samstag, 25. April 2009, waren u. a. der Stuttgarter Schauspieler Dietz-Werner Steck sowie als abschließender Höhepunkt die Schauspielerin Iris Berben zu Gast.
Plötzlich stand am Samstag gegen 15.00 Uhr Dietz-Werner Steck, besonders bekannt und beliebt geworden als langjähriger Stuttgarter „Tatort“-Hauptkommissar Ernst Bienzle des SDR, später SWR, mitten in der Zuschauermenge und wurde gleich von einigen Besuchern erkannt und angesprochen. Einem der Zuschauer, welcher ihm mitteilte, dass dieser Bienzle und die lustigen Geschichten um seine Hannelore vermisse, antwortete der 72-Jährige: „Ich auch, ich auch“. Im Interview mit StN-Redakteurin Bettina Hartmann auf der Bühne sagte er, es sei ihm eine Genugtuung, dass es, egal wo er hinkomme, so viele Anhänger von Bienzle gebe.
Die von Felix Huby 1977 erfundene Romanfigur spielte Steck von 1991 bis 2006 in 26 Folgen der Krimireihe „Tatort“ und 2006 auf Theaterbühnen. Er habe die Rolle gern verkörpert, da er sich kaum verbiegen habe müssen. Denn er sei Bienzle sehr ähnlich. Außerdem habe Huby, zu welchem er ein freundschaftliches Verhältnis pflege, die Rolle ihm auf den Leib geschrieben. Mit Hannelores sei er in seinem Leben umgeben. Seine Agentin heiße Hannelore, seine Frau Hanna und zu seiner Film-Hannelore (Schauspielerin Rita Russek, Anm. d. Verf.) habe er immer noch Kontakt.
Besondere „Tatort“-Folgen sind für Steck „Bienzle und das Narrenspiel“ (Erstsendung: 23.01.1994) und „Bienzle und der Tod in der Markthalle“ (28.05.2006) gewesen.
Er erinnert sich gerne noch an die Dreharbeiten 1993 in Ravensburg für „Bienzle und das Narrenspiel“ mit Robert Azorn, als Tausende von Statisten für einen Fastnachtsumzug bei eisigen Temperaturen ausharren mussten. Bei „Bienzle und der Tod in der Markthalle“ habe er zunächst große Bedenken gehabt, dass die Rolle eines geistig Behinderten nicht ordentlich gespielt werde und dies dem Regisseur mitgeteilt. Aber der junge Schauspieler (Arndt Schwering-Sohnrey, Anm. d. Verf.), der den geistig Behinderten verkörperte, sei großartig gewesen.
Als lustige Anekdote erzählt Dietz-Werner Steck, er sei einmal in Stuttgart spazieren gelaufen, als ihm „ein Schwarzer mit ganz weißen Zähnen“ verfolgte. Dieser habe ihn gefragt, ob er der Bienzle sei. Als Steck dies bejahte, habe dieser nur „Hut ab, Hut ab“ gesagt.
Er habe sich auch Gastauftritte bei anderen „Tatort“-Kommissaren gewünscht, insbesondere bei Ulrike Folkerts, jedoch sei dies nie zustande gekommen. Nur einmal habe es einen Gastauftritt bei Max Palu (Jochen Senf, Anm. d. Verf.) in Saarbrücken gegeben.
Der gebürtige Waiblinger erzählte außerdem, dass er gerade für Dreharbeiten der ARD-Serie „Großstadtrevier“ in Hamburg gewesen sei und ihm dies sehr gefallen habe. Im Herbst gehe er mit der Kriminalkomödie „Heiraten ist immer ein Risiko“ von Saul O’Hara auf Theatertournee. Hier mime er einen britischen Inspektor.
Dietz-Werner Steck las im Anschluss an das Interview einen spannenden „Bienzle“-Kurzkrimi von Felix Huby vor. Auf einmal war er ganz in seinem Element und in seiner Rolle des Stuttgarter Hauptkommissars, die ihn so populär machte. Zum Schluss lächelte er ganz zufrieden und genoss den verdienten Applaus des Publikums. Er gab geduldig Autogramme.
In der Buchhandlung nahm gegen 17 Uhr der Andrang an Besucherinnen und Besuchern vor der Bühne zu, denn als Höhepunkt der „Gläsernen Redaktion“ kam Iris Berben durch den Vordereingang. Das Publikum applaudierte. Im Interview mit StN-Kultur-Ressortleiter Nokolai B. Forstbauer sagte die 58-Jährige zu Beginn, dass sie sich freue, dass bei dem schönen Wetter so viele Menschen erschienen seien.
Berben meinte, sie sei zwar ein Mensch, der in der Öffentlichkeit stehe, jedoch wolle sie ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit schützen. In den letzten Jahren habe es Entwicklungen und Ausmaße in der Medienbranche gegeben, die einen leider zwingen würden, Anwälte zu beschäftigen. Iris Berben selbst wolle niemals eine Biografie schreiben oder an einer Biografie über sie mitwirken. Viel wichtiger sei es ihr etwa, über andere Frauen zu schreiben wie in ihrem neuen Buch.
Im Buch „Frauen bewegen die Welt“ (Verlag: Droemer Sachbuch, 2009, 352 S., 19,95 €) erzählen Iris Berben und Nicole Maibaum von 24 starken und mutigen Frauen, die durch ihr couragiertes Handeln die Welt ein Stück besser machen. Mit dem Buch wolle Berben dem Vergessen entgegenwirken.
Bereits mit 18 Jahren ging die gebürtige Detmolderin erstmals nach Israel, um sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Heute engagiere sie sich auch für afrikanische Länder.
Über ihren Sohn Oliver Berben erzählt sie, seitdem er ein erfolgreicher Filmproduzent und einer der Chefs bei Constantin Film sei, habe sich die Beziehung verändert. Denn heute bekomme sie Rollenangebote von ihm.
Iris Berben wurde dem deutschen Film- und Fernsehpublikum u. a. durch die humoristische ARD-Serie „SketchUp“ mit Diether Krebs, die ZDF-Serie „Das Erbe der Guldenburgs“, die ZDF-Reihe „Rosa Roth“, dem ZDF-Dreiteiler „Afrika, mon amour“ und als Betsy Buddenbrook im Kinofilm „Buddenbrooks“ bekannt.
Text und Fotos: Copyright © 2009 by Markus Munk. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigen und Kopieren ohne Genehmigung untersagt!