1. In den letzten Monaten waren Sie ja mit Ihrem Theaterstück „Achterbahn“ zu sehen
Volker Brandt: Da haben wir Premiere gehabt. Das ist jetzt auch schon 2 Monate her und habe jetzt jeden Tag gespielt hier.
Tanja: Wann war die Premiere nochmals genau?
Volker Brandt: Die Premiere war am 23. März. Haben den ganzen April gespielt, den ganzen Mai gespielt. Und jetzt geht’s nach München. Und in München lerne ich meinen Text neu für ein Stück, das heißt: „Hände weg von meiner Frau“.
Tanja: Hört sich gut an.
Volker Brandt: Ja. (lacht)
Tanja: Passt doch auch irgendwie. (lacht)
Volker Brandt: „Hände weg von meiner Frau“, das habe ich schon in München gespielt, habe ich schon in Berlin gespielt. Aber jetzt spielen wir das in Frankfurt. Ja, und das Stück kommt raus - aber erst im Oktober.
Aber jetzt wird es probiert. 1 Monat probiert, dann 2 Monate nix. Und dann geht’s im Oktober – also im September ist Premiere – und dann spielen wir das bis Oktober. Und dann sind wir mit diesem Stück in Bonn.
Tanja: Schön.
Volker Brandt: Und dann kommt wieder „Das schöne Überraschungsstück“ auf Tournee. So sieht die Zukunft aus.
Tanja: Da habe ich die Frage schon abgehandelt: „Welche aktuellen Projekte stehen noch an?“
Volker Brandt: Genau.
2. Sie waren ja mit dem Stück „Schöne Überraschung“ vor kurzem unterwegs. Wie war das für Sie? Gab es irgendwelche besonderen Erlebnisse?
Volker Brandt: Das schöne an dem Stück war, dass es genau richtig kam zu Obama’s Inokulation, also zur Vereidigung von Obama als neuer Präsident. Und da haben wir dann natürlich ‘ne ganze Menge Aktualität sozusagen in dem Stück gehabt. Und das hat sehr viel Spaß gemacht. Und ich hatte auch das Gefühl, dass die Leute – das hat ja früher noch jemand anderes gespielt und ich hab‘ es ja erst übernommen in Düsseldorf und jetzt dann später auf der Tournee. Und jetzt machen wir noch ‘ne Tournee, nochmal 40 Vorstellungen – und dann ist es März. Und dann habe ich jetzt noch einen Fernsehtermin - am 12.06.2009 bei Böttinger (Anmerkung: „Kölner Treff“) im WDR.
3. Also momentan sind Sie mit „Achterbahn“ unterwegs. Das ist ja nur ein 2-Mann-Stück im Gegensatz …
Volker Brandt: Nein! Bin ich nicht unterwegs. Ich bin hier zu Hause
Tanja: Ok.
Volker Brandt: Und dann bin ich in Bonn. Weil, ich bin hier nicht „zu Hause“ – ich habe hier ‘ne Mietwohnung – und die wird morgen, nee am Montag wird die aufgegeben. Am Montag ist Schluss hier in Stuttgart. Und heute haben wir nur gepackt.
Tanja: Sehen Sie denn Ihre Lebensgefährtin auch ab und zu, oder in der Zeit wenig?
Volker Brandt: Die Lebensgefährtin (Susanne Meikl) ist hier bei mir und packte bei mir.
Tanja: Ach, so machen Sie das. Sie ist die ganze Zeit bei Ihnen!?
Volker Brandt: Sie hat souffliert, hat Regieassistenz gemacht.
Tanja: Sie ist dann quasi immer bei Ihnen?
Volker Brandt: Ja. Das ist sehr ok. Das wird in Bonn nicht so sein, weil wir das in Bonn auch spielen- jetzt muss ich es langsam können, weil sie souffliert abends auch.
Tanja: Ja, um jetzt nochmal auf die „Achterbahn“ zurück zu kommen: Das ist ja ein 2-Mann-Stück, im Gegensatz zu „Schöne Überraschung“.
Volker Brandt: Das ist kein 2-Mann-Stück, das ist ein Mann-Tochter-Stück (lacht herzlich).
Tanja: Sie bringen mich ganz aus dem Konzept (lacht)
Volker Brandt: (lacht) Es gibt auch 2-Mann-Stücke. So ist es nicht.
Tanja: Ja, ich meine 2-Personen-Stücke. Ist es einfacher sich nur auf einen Menschen im Stück zu konzentrieren, oder was ist der Unterschied, wenn man ein Stück zu viert spielt?
Volker Brandt: Ich freue mich jetzt schon auf das Stück in Frankfurt, weil da ist der alte Wolfgang Spier dabei, da ist ein junges Mädchen, da ist ein halbwegs junger Mann, die Susi spielt da auch mit – meine Lebensgefährtin. Und wir ziehen dann nach Frankfurt, weil wir in Frankfurt dann wieder eine Wohnung beziehen. Das ist dann eine Theater-Wohnung. Hier das ist keine Theater-Wohnung. Das haben wir aus dem freien Markt hier herausgeholt aus dem Internet. Und das war dann entsprechend schlecht, denn das Theater hier hat keine Wohnung.
So, und da freu‘ ich mich schon drauf, weil wir sind zu acht und hier sind wir zu zweit. Frauen: ältere, jüngere; Männer: jüngere, ältere. Alles mischt sich. Das ist mir wesentlich lieber als ein 2-Stück. Ein 2-Stück ist wirklich wie der Chr. Kohlund. Der Chr. Kohlund ist alleine mit einem Stück unterwegs, das heißt: „Im Zweifel für den Angeklagten“, oder so was. Das ist grauslich. Das kann ich mir nur grauslich vorstellen.
Tanja: Ist es dann einfacher oder schwieriger? Oder kann man das so nicht sagen. Man konzentriert sich ja nur auf eine Person oder auf vier?
Volker Brandt: Das kann man schlecht/schwer sagen. Also es hat beides eine Herausforderung, die meiner Ansicht nach bei dem 2er-Stück größer ist als wenn das Stück auf vielen Beinen ruht. Ja. Weil, für das Publikum ist es schön, wenn es viel Dekoration ist und wechselnde Dekoration – wir haben ja Einheitsdekoration – dann ist es schön, wenn mal ein Alter auftritt, ein Junge auftritt, ein Komiker auftritt und so – wie bei „Shakespeare“ – da treten alte Leute , junge Leute, alles, die ganze Menschheit tritt da auf – gescheite Leute, dumme Leute – während wir hier „nur“ zu zweit sind, weil dieses Stück nun mal „Vater-Tochter-Stück“ ist. Also ich kann nicht sagen, ob es leichter ist – es ist anders – und von der Herausforderung ist eher die Zweierbesetzung anstrengender als die 6er- oder 8er-Besetzung, oder 10er-Besetzung – bei „Shakespeare“ gibt es manchmal schon 15 Leute.
4. Wie lernen Sie Texte für Ihre Stücke? Müssen Sie Ihren Text vor jeder Aufführung nochmals durchlesen, oder wie darf man sich das vorstellen?
Volker Brandt: Wie spät ist es jetzt? – Dreiviertel 6. Ich bin noch hier bis halb 7. Und halb 7 gehe ich in meine Garderobe – die ist hier auch in dem Haus – und mache mir einen grünen Tee. Und der grüne Tee ist so eine Art von Tradition. Ich trinke am Tag manchmal nichts Gesundes. Und hier trinke ich aber ‘ne Flasche Wodka aus – das ist schon mal ¼ Liter Wasser oder ein bisschen mehr.
Tanja: Vor dem Stück?
Volker Brandt: Nee, während des Stückes – also Wasser-„Wodka“. Und dann bin ich aber entsprechend besoffen (Anmerkung: in dem Stück - nicht real).Und dann trinke ich noch ‘ne Brause. Und dann trinke ich auch noch Kaffee. Und da muss ich nicht so viel Bier trinken, oder so was, denn normaler Weise nach der Vorstellung trinkt man gerne ein schönes Bier – jeder Schauspieler - das schönste Bier, was es gibt – das ist ja bei Sportlern auch nicht anders, oder bei Leuten, die Moderatoren sind, oder Witze-Erzähler, oder Musiker. So, das ist das ungesunde Trinken. – Und jetzt habe ich immer meinen grünen Tee, der auch sehr gesund sein soll. Und dann habe ich halt auch dieses Wasser jetzt in diesem Stück. Ja!? Und deswegen ist das ein sehr gesundes Stück.
Tanja: Und dann lesen Sie sich in der Garderobe den Text durch?
Volker Brandt: Da mache ich den ganzen Text durch. Nein, ich habe richtig meine Seiten von vorn bis hinten. Und ich trau‘ mich noch nicht sozusagen nichts vorher zu machen, weil das eben 60 Seiten Text sind – zu zweit nur. Und das nächste Stück ist 80 Seiten Text, aber da sind wie gesagt ein paar andere Leute da, aber ich bin eigentlich auch immer dran. Das ist aber auch schon mal gelernt worden. Und das merkt man im Kopf, dass es sich nach 6 oder 8 Jahren, seit wir das nicht gespielt haben , doch was im Kopf hängen geblieben ist, wenn ich das jetzt wieder neu mache. Ja!? Und das Lernen selber, das ist die größte Plage schlechthin. Weil, das ist wie in der Schule. Da hätte ich ja nie Schauspieler werden dürfen, weil dass ist ganz anstrengend für mich, weil ich so unkonzentriert bin. Wenn ich mich hier hinsetze und Seiten mit Text mitbringe und die lernen möchte, dann setze ich mich hierher und dann sehe ich da draußen was, oder jemand kommt rein, oder es ist eine Dayli-Mail in der Zeitung, oder ich habe einfach keine Lust dazu, oder ich lerne mal 10 Sätze … Am laufenden Band ist alles schöner, als diesen blöden Text lernen. Ja, oder beim letzten Stück dann setze ich mich da unten auf die Bank und da habe ich die Seiten so vor mir, aber immer ist irgendwie was los, und immer ist es nicht konzentriert.
Tanja: Ja, kenne ich auch……
Volker Brandt: Dann bin ich da in die Kirche gegangen, wo ich wohne, aber ich weiß jetzt nicht mehr wie die heißt. Und da bin ich auch reingegangen, hatte mich hingesetzt und ganz toll konzentriert, und das war auch konzentriert. Also, ‘ne Kirche ist zum Lernen ganz prima. Aber wie gesagt, das sind Sachen, von denen die Leute ja immer gar nix wissen. Jeder Fernsehschauspieler, der ‘ne Rolle spielt, lernt Text zu Hause, und fleißig und muss es dann können. Ja. Heute ist nicht so viel Zeit. Heute geht alles zack-zack. Wir haben ja bei der Schwarzwaldklinik noch ein bisschen Text vorher abgesprochen. Da habe ich mich mit dem K. Wussow dann hingesetzt auf irgendeinen der weißen Gartenstühle im Glottertal und dann haben wir zusammen mal das durchgesprochen. Und dann haben wir gesagt: „Kannst nicht mehr so sagen“ oder „Ist das ‘ ne gute Formulierung.
Tanja: Da konnten Sie sich viel mehr einbringen?
Volker Brandt: Ja. Ich konnte mit denen ein bisschen das vorher einüben. Da war der Regisseur auch nicht so streng. Wer war das eigentlich – der H.-J-Tögel?
Tanja: Ja der Herr Tögel.
Volker Brandt: Hm, und manchmal war sogar der Autor noch da, der leider gestorben ist. – Wie hieß der gleich noch …?
Tanja: Herbert Lichtenfeld!
Volker Brandt: Herbert Lichtenfeld, genau. H.Lichtenfeld war da. Und da konnte man auch mal fragen, oder so ‘ne. Das war eigentlich schön. Und wir hatten nicht so viel Pensum wie heute. Pensum heißt – mal jetzt als Maßstab – Hollywood produziert an einem Tag eine Minute. Also eine Minute Kino wird gedreht an einem Tag.
Tanja: Bei „Tatort“ sind ja heutzutage glaub 2 oder 2 ½ Minuten, was die an einem Tag abdrehen.
Volker Brandt: Mehr! Mehr. 10 Minuten, 15 Minuten.
Tanja: So viel, echt?
Volker Brandt: Und dann die ganzen Serien, die 45 Minuten am Tag gehen. Die ganzen Soaps – 45 Minuten, 1 Folge am Tag – 1 Folge, das sind 45 Minuten. Also das Tempo ist gewaltig gestiegen. Man kann das nicht groß einleuchten. Da kannst Du keinen großen Dialog proben. Kein gar nix.
Tanja: Doch sehr viel Eigenkonsequenz, sehr viel Eigeninitiative?
Volker Brandt: Am Ende muss es funken – funktionieren. Und ich lass‘ mich auch sehr ungern abhören, weil wenn jemand mich abhört, dann sitzt er da und guckt da und ich muss es dann irgendwo hernehmen. – Es ist wie so ein Abhören in der Schule. Und da bin ich ganz schlecht. Da habe ich zu viel … Ich mag schon ganz gerne selber für mich lernen. Und da muss ich halt dann ein paar Mal üben …
Tanja: Sagen Sie sich das dann auch laut vor?
Volker Brandt: Ich sage es immer dann auch laut vor. Ja, ja.
Tanja: Vor dem Spiegel?
Volker Brandt: Nein, vor dem Spiegel gar nicht. Ich sag’s mir laut vor … und zwar einfach so, wenn ich spazieren gehe, dann kann es schon sein, dass ich es laut sage. Ich kann es auch nur für mich im Bett sagen, wenn es dunkel ist abends und noch ‘ne Lampe, dann kann ich mir das nochmal angucken. Oder jetzt, wenn ich in die Garderobe gehe, dann mache ich es auch nur seitenmäßig nur im Kopf, weil es ist so viel Text.
Tanja: Aber kein Zweifel, dass Sie es nicht schaffen
Volker Brandt: Ich habe ja meine Souffleuse direkt neben mir, wenn was ist. Aber ein schwerer Beruf „Souffleuse“. Es gibt nämlich gar keine Souffleusen mehr, denn die bezahlt das Theater nicht mehr.
Tanja: Das ist doch so was wie Regieassistentin?
Volker Brandt: Nein, das ist ein richtiger Beruf. Souffleuse war früher ein ganz richtiger Theaterberuf. Und die waren vorne in dem Kästchen drin.
Tanja: Ah, ja unten, gell.
Volker Brandt: Genau. Und dann haben sie das Kästchen abgeschafft, weil die Regisseure gesagt haben: „Ich will da nicht dieses Kästchen drin haben. Das verdirbt das ganze Bühnenbild.“ Und dann haben sie es abgeschafft. Und dann haben sie die Souffleusen in die Seite gesetzt. Und wenn sie dann da waren und da war die Souffleuse, haben sie nicht verstanden, was redet die da. Und bei „Gründgens“ weiß ich, der hatte zwei Souffleusen – eine rechts, eine links. Und dann wenn er gehangen hat, dann hat er die beschimpft hinterher, weil sie haben beide souffliert und er hat nichts verstanden, weil beide souffliert haben. Ich will nicht sagen, was er da gesagt hat für böse Worte, aber die Souffleuse wurde abgeschafft – im Fernsehen gibt es sowieso keine. Und hier ist es so, dass ich Susi gebeten habe, weil sie Assistentin ist und da hat sie auch souffliert, weil das auch nicht richtig ist, weil bei der Probe ist normaler Weise auch keine Souffleuse da. Aber da ist alles rationalisiert. Und das ist ganz blöd, weil Souffleusen spüren, wenn der Hänger kommt, die soufflieren es, können gut sprechen, die können gut gucken. Und wenn sie dann da vorne in der Mitte wären, könnten sie auch sehen, wenn der Schauspieler unsicher guckt oder so, dann wissen sie sofort Bescheid. Neuerdings beim Staatstheater, wo es manchmal noch ‘ne Souffleuse gibt, setzen sie sie einfach in die erste Reihe. Das ist allerdings dann ganz peinlich, weil wenn sie als Schauspieler aus der ersten Reihe – zwischen lauter Zuschauern sitzt sie dann da und spricht – das ist ganz peinlich. Das hört dann jeder, dass man hängt. Von unten nach oben gesagt, mit der Aufregung: Ich hänge.‘ – das ist ganz peinlich. Habe ich aber auch schon gesehen. Ja, das Theater hat sich geöffnet und diese geheimen Wachen, die man früher hatte – gab’s viele Anekdoten über Souffleusen und über Schauspieler, die nichts wussten, was kommt. Da gibt es ähnlich nette Geschichten.
Tanja: Das ist ja sicher auch ‘ne Geldfrage, oder?
Volker Brandt: Ich sag‘ ja, das ist rein wegrationalisiert.
Tanja: Aber letztlich haben die ja nichts davon, wenn ein Schauspieler stockt auf der Bühne und das Stück dadurch …
Volker Brandt: Ja, aber die Intendanten sagen: „Dann soll er seinen Text lernen.“ Dabei hat das gar nichts mit „Text lernen“ zu tun. Man kann seinen Text drauf haben, kann ihn gut können, und plötzlich hängt man durch irgendwas; kann im Zuschauerraum jemand sein, oder ein Handy, was plötzlich klingelt, oder so was. Und dann ist man ein bisschen irritiert, und weiß nicht: „Was soll ich jetzt sagen?“ Und dann muss man ganz schnell was improvisieren oder sehen, dass man irgendwie „zu Potte“ kommt. Normaler Weise wäre ‘ne Souffleuse schon was Gutes, ja. Gut, soweit zum „Text lernen“. – Was gibt’s denn noch Schönes?
5. Noch ‘ne Frage zur Schwarzwaldklinik! War es damals geplant, dass Sie aus der SWK gehen? Oder von wem aus war das so, dass Sie dann irgendwann nicht mehr drin waren?
Volker Brandt: Ach, das ist wie beim Tatort. Und das ist wie bei all‘ den Sachen. Irgendwann ist so eine Figur auch „abgefrühstückt“, wie man das so schön nennt.
Tanja: Haben Sie auch den Eindruck, dass das so gewesen ist?
Volker Brandt: Ja, man hätte das schon noch weiterführen können, aber mancher wollte ‘ne neue Figur haben. Ich habe nicht gesagt: „Ich will nicht mehr.“! Aber ich weiß, dass es sehr schnell so ist, dass wenn ‘ne neue Staffel kommt, dass man dann sagt: „Wir müssen jetzt den weniger, und da mehr.“ Und da ist es dann halt so gewesen. Und ich muss sagen, das ist wie beim Tatort auch. Ich habe 7 Tatorte gemacht, eigentlich nicht viel heutzutage. Da klammern sich alle an ihren Tatort, an Ihren Kommissar. Und da gibt es ja Kommissare, die machen seit 20 Jahren nix als Kommissar, ja. Aber ich will mein Leben nicht mit einem Kommissar verbringen, auf keinen Fall, auch nicht als „Dr. Schübel“. Dann ist man so wie in Amerika so ‘ne Serienfigur. Und da geht ja dann auch nichts mehr. Das ist wie beim K.Wussow. K.Wussow hat ja dann im Anschluss nur noch irgendwelche Ärzte angeboten bekommen.
Tanja: Der Herbert Tennigkeit auch z.B.!
Volker Brandt: Ja, aber das bunte Dreh- und Bühnenleben, weil das ganz einfach die schauspielerischen Fähigkeiten auch herausfordert, und nicht immer nur eine Figur spielt. Die spielen ja mehr oder weniger das, was sie sind, ja. So wie ich jetzt hier rede, so ist der Arzt dann. Und die Situation kann sein, dass wir jetzt ‘ne Besprechung haben, weil wer operiert werden muss. Und dann würde ich das so spielen wie ich hier spreche. – Aber jetzt hier in dieser Figur, wo ich einen Vater spiele von einer Tochter, was man noch ganz bis zum Schluss nicht weiß, dann ist es so, dass die Rolle einfach eine ganz andere dramaturgische Herausforderung ist. Das ist nicht nur ich selber, der irgendwelche Besprechung hat wegen irgendwas, sondern eine Extremsituation ist da. Und das ist einfach als Schauspieler – oder bei „Hände weg von meiner Frau“ bin ich ein solider Kaufmann, der seine Frau verwöhnt, aber plötzlich haut die ab, die will was erleben, die hat da einen jungen Griechen kennengelernt, d.h. der ist gar nicht so jung, aber sehr herzlich, romantisch, und die hören Musik. Und das hat der alles nicht gemacht – die Frau war gefühlsmäßig ist die ‘ne gute Hausfrau, die hat alles gemacht, was der Mann wollte. Die haben Geld gehabt, haben ein schönes Haus, und jetzt wollen sie Rentner sein, und das will sie nicht und da haut sie ab zu einem Neuen. Der kann das gar nicht verstehen. Der rennt hinter der Frau her wie nur irgendwas. Der ist ja bereit alles zu machen, bis er psychisch durchdreht, weil er einfach nicht versteht, warum geht die weg von mir.
Tanja: Also Sie spielen die Rolle?
Volker Brandt: Ja, ich spiele die. Und das ist ein riessen Erfolgsstück, weil das sehr lustig wird, weil viele Frauen im Zuschauerraum würden das sich auch vorstellen können, dass sie das auch machen würden, wenn sie nicht so faul wären. Lieber an ihrem Häuschen bei ihren Hündchen. So leicht verliebt sich niemand und zieht dann auch noch zu dem hin und kriegt auch noch ein Kind von dem Kellner. Kann auch nicht verstehen, wieso ein Kellner. Das ist ja grauslich. Meine Frau, die so verwöhnt ist, geht mit einem Kellner fremd. Nee, das ist ganz schön.
Tanja: Wann wird das Stück zu sehen sein?
Volker Brandt: Also im September geht das los. Am 04. September geht das in Frankfurt los. Wir üben das jetzt, dann ist ‘ne Pause und dann spielen wir das bis 25. Oktober. Und paar Tage später ist dann die „Achterbahn“ in Bonn. Und das spielen wir dann bis Anfang Januar. Und paar Tage nach dem Anfang Januar beginnt dann die neue Staffel von der Tournee. Also da ist zum Drehen und so kein Platz.
Tanja: Ich glaube, Sie gehen auch eher im Theater auf?
Volker Brandt: Absolut, ja.
Tanja: Ihre schauspielerische Leistung kommt halt viel mehr zur Geltung als im Fernsehen. Ich war ja schwer beeindruckt.
Volker Brandt: Ja, ja. Sehr schön wär’s ja, wenn man beides zusammen machen könnte, wenn man ‘ne schöne Fernsehrolle hat. Aber wenn die mir was jetzt nicht anbieten und es ist was von der Bühne her angeboten, dann gehe ich natürlich zur Bühne, weil ich dann ja sage: „Ja, das spiele ich.“, wenn dann die Rolle auch noch schön ist. Dies ist ‘ne schöne Rolle, weil das ist sozusagen ‘ne Solo-Rolle. Hat auch Alain Delon gespielt in Paris. Und der hatte da wohl ‘nen ganz guten Erfolg. Alain Delon, der spielt nicht alles. Und da hatten sie auch ‘ne gute Frau nebenher. Und unser Mädchen ist ganz jung, die hat sich ganz toll entwickelt. Also eigentlich ist das ‘ne Traumaufgabe.
Das Interview mit Volker Brandt führte Fanclubleiterin Tanja Junginger.Das Interview wurde auf Tonband aufgezeichnet und so übernommen!
Lieber Herr Brandt nochmals meinen herzlichen Dank für Ihre Zeit, für das ausführliche Interview und die wieder mal herzliche, lustige und erfrischende Begegnung mit Ihnen- was sehr lange nachwirken wird.Jede Begegnung ist etwas ganz Besonderes für uns!
Auf bald, Ihre Tanja